Saxonia Media Filmproduktionsgesellschaft mbH



Die ganze Welt in einer Liebesgeschichte



Saxonia-Media-Geschäftsführer Hans-Werner Honert über den Fernsehfilm "Der Uranberg"  


In Leipzig entsteht gerade eines der TV-Highlights des kommenden Jahres. Die Saxonia Media dreht in Koproduktion mit dem Mitteldeutschen Rundfunk, Westdeutschen Rundfunk und Arte, gefördert von der Mitteldeutschen Medienförderung, für Das Erste den Film "Der Uranberg".

 

In dem Historiendrama geht es um die Anfänge des Kalten Krieges und den Beginn des Wettrüstens. Mit Starbesetzung (u.a. Henry Hübchen und Christian Redl) erzählt der Fernsehfilm von menschlichen Tragödien in einem fast vergessenen Kapitel deutscher Geschichte. Ein Interview mit Produzent und Autor Hans-Werner Honert.

 

 

 

 

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Sie haben für den Uranberg das Drehbuch geschrieben und sind Produzent. Ist das ein Vorteil?

 

 

Schauspielerin Nadja Bobyleva (Foto: Saxonia Media/Junghans)

Ich bin von Haus aus Regisseur, Autor und Produzent. Ich habe das immer alles betrieben. Ich durfte auf allen Gebieten meine Erfahrungen sammeln. In diesem Fall war es ein großer Vorteil, Autor und Produzent zu sein. Hier soll mit wenig Geld ein opulenter Film entstehen. Erklären Sie das mal einem Autor, der sein Herzblut in das Script geschrieben hat. Der leidet ganz furchtbar darunter, wenn Sie als Produzent sagen, eigentlich bräuchten wir 5 Millionen, wir haben nur 2,7. Jetzt schreiben wir das mal um.

Die andere Seite ist die: Sie dürfen sich als Autor, wenn Sie gleichzeitig Produzent sind, nicht beschneiden. Geistig, künstlerisch, kreativ. Das geht nur, wenn Sie als Partner einen Regisseur haben, der so tickt wie Sie.  Die letzte Fassung des Drehbuches habe ich sehr eng zusammen mit dem Regisseur erarbeitet. Wir haben uns gefragt: Kinder, brauchen wir diese Szene in dieser Opulenz, stecken wir das Geld nicht lieber an eine andere Stelle? Drehen wir original unter Tage oder bauen wir die Schächte nach? Letzteres wollten wir erst, aber dafür hätten wir riesige Schächte bauen müssen. Dort kann man mit der Kamera alles machen, Sprungwände sind da usw. Der künstlerische Nachteil: Es geht Authentizität verloren. Wenn Sie in einem echten Schacht stehen, sehen Sie die Leute atmen, weil da unten acht Grad sind. Das ginge natürlich auch mit viel Aufwand im Studio, aber das ist wieder teurer …

Wir haben alles konzipiert, haben die Pläne zeichnen lassen, wir haben es kalkuliert und haben festgestellt: Das ist nicht zu bezahlen. Also haben wir im Röhling-Stollen gedreht. Und die Resultate haben uns überzeugt. Die Schauspieler spielen viel konkreter in dieser Umgebung. Natürlich kann man unter Tage nicht alles drehen. Wir haben einen großen Wassereinbruch, eine große Katastrophe. Hier musst du alle filmtechnischen Möglichkeiten vom Trick bis zum Modellbau nutzen. Und so haben wir Studiobau, Modell und Tricktechnik und den Originaldreh gemischt. Und was ich bis jetzt gesehen habe, ist toll.

Die spektakulären Flutungsszenen stelle ich mir sehr aufwändig vor …

 

Produzent und Autor Hans-Werner Honert

Wir haben bei der Flutungsszene überwiegend mit Modellen gearbeitet. Das Modell war 1,50 Meter groß. Es sieht beindruckend aus, wenn das Wasser durch das Modell läuft. Ein paar Wasserszenen haben wir auch unter Tage gedreht, aber wir konnten ja nicht den ganzen Röhling-Stollen unter Wasser setzen. Im stillgelegten Stadtbad von Annaberg haben wir deswegen neben dem Modell einen Schacht nachgebaut, einen Einstieg und eine so genannte Luftblase, wo unsere Hauptdarsteller fast ertrinken. Hier mussten wir simulieren: Das Wasser steigt, steigt, steigt. Solche Szenen können gar nicht an Originalschauplätzen gedreht werden. Bei acht Grad Wassertemperatur würden uns die Schauspieler abklappen, wenn sie den ganzen Tag im Wasser arbeiten. Unsere Ausstattung hat dafür gesorgt, dass wir einen relativ großen Bau heben und senken konnten. Wenn die Konstruktion gesenkt wurde, entstand der Eindruck, das Wasser würde steigen.

In diesem Zusammenhang muss man auch die MCA erwähnen. Ich habe sehr gute Erfahrungen mit der MCA gemacht, bei unserer Schneewittchen-Produktion konnte ich die Arbeit der Kollegen schätzen lernen. Die hatten uns im Harz ein wunderbares Zwergenhaus hingebaut.  Das war mit viel Liebe und Professionalität gemacht. Und dann sind wir zu ihnen gegangen und haben gesagt, jetzt kommt der Uranberg. Unsere Ausstatter waren erst skeptisch, weil sie die MCA noch nicht kannten. Und da haben wir als Firma gesagt, die Verantwortung übernehmen wir, wir kennen diese Leute und wir vertrauen ihnen. Und das war richtig. Wir haben ein tolles Resultat, schauen Sie sich es an.

Derzeit reden wegen des Wendejubiläums alle über das Ende der DDR. Sie drehen einen Film über den Anfang …

Dieser Film behandelt nicht nur die DDR. Schauen Sie, wenn unser neuer Außenminister Westerwelle sagt, er möchte Deutschland atomwaffenfrei machen, dann zucken alle zusammen und fragen: Hat Deutschland denn noch Atomwaffen? Eigentlich müsste das bekannt sein, aber viele haben das vergessen. Nicht nur die Atomwaffen, sondern auch, wie es dazu gekommen ist.

Viele jubeln über die deutsche Einheit, weil der Bruder jetzt die Schwester treffen kann. Das ist wunderschön. Aber noch viel wichtiger: Es ist gelungen,  dass Deutschland nicht mehr das Schlachtfeld eines dritten Weltkrieges werden kann. Auch ich habe mich gefreut,  nach der Wende meine Tante, meine Cousins und meine Cousinen zu treffen. Aber wichtiger ist mir, dass wir nun nicht mehr an der Frontlinie stehen - zwischen Mächten, die bereit gewesen wären, Deutschland in ihrem Konflikt zu opfern.

Dieser Konflikt geht zurück auf die Nachkriegszeit, als der Kalte Krieg begann und die Welt sich neu ordnete. Da spielte die Atombombe eine große Rolle. Die Russen arbeiteten wie verrückt an dieser Bombe. Sie brauchten Uran, suchten überall, wo sie waren. Im Erzgebirge fanden sie es, bald wurden 70 Prozent des sowjetischen Uranbedarfs hier gefördert. Und das waren alles Reparationsleistungen. Die DDR hatte nicht die Möglichkeit, durch den Marshallplan zu investieren, sondern verlor Werte. Das war auch ein Grund für die wirtschaftliche Entwicklung der DDR. Aber das ist zweitrangig,  denn hier war die Gefahr eines neuen Weltkrieges entstanden. Das hat mich interessiert, dieser Anfang. Das ist nicht nur ein DDR-Thema, es geht nicht nur um die Sowjetunion, sondern um die gesamte damalige Weltlage.

Die hat natürlich Auswirkungen auf die Menschen: Wie gehen die in so einer Konfliktkonstellation kurz nach dem Krieg mit ihrem Leben um? Werden sie zu Opportunisten, mischen sie sich ein? Glauben sie an etwas? Träumen sie von etwas? Wir zeigen in diesem Film junge Leute, die träumen von einer Zukunft, und dazu haben sie auch das Recht. Heute fragen junge Leute nach dem Sinn in ihrem Leben, nach ihrer Zukunft. Genauso war es damals.

Wir versuchen diesen Anfang so zu erzählen, wie er aus unserer Sicht wirklich war. Der alte Gauß hat mal kurz nach der Wende gesagt: ‚Die Deutschen haben eine ungeheure Chance, sie haben zwei Erfahrungswelten. Wenn sie die produktiv zusammenbringen, dann wissen sie mehr als andere.‘ Aber oft werden nur Klischees bedient. Oft sehen wir im Fernsehen, wie Altbundesbürger sich die DDR vorstellen. Ich denke manchmal, in diesem Land hast du nicht gelebt. Ich glaub, unser Job hier in Mitteldeutschland ist es, Filme zu erzählen, die auf unseren Erfahrungen beruhen, die zum Verständnis der Geschichte der letzen Jahre beitragen. Vielleicht ergibt sich sogar die Chance, produktiv über die Zukunft nachzudenken. Wir haben schon mehrere Filme über die Geschichte gemacht. "Tage des Sturms" über 1953, oder den Brigitte-Reimann-Film „Hunger auf Leben“. Wir gehen kritisch mit uns um in diesen Filmen und "Der Uranberg" ist ein Film in dieser Reihe. Ich hoffe, dass wir noch zwei, drei weitere machen können.

Sie erzählen die Konflikte anhand einer Liebesgeschichte. Macht das den Stoff leichter verdaulich?

Wenn das eine Liebesgeschichte mit ein bisschen Historie dahinter wäre, würden wir es falsch machen. Die Liebesgeschichte ist zentral integriert. Schon Romeo und Julia erzählt eine politische Geschichte anhand des Konfliktes zweier junger Leute. Da gibt es die zwei großen Familien, die nicht zusammen kommen können, der Staat, der ein Problem hat, weil sie sich bekämpfen. Im Zentrum dieses Kampfes stehen die beiden jungen Leute, die Opfer dieses Kampfes werden. Das ist keine Klischeeliebesgeschichte.

Auch bei uns ist es eine Liebesgeschichte, die im Zentrum steht. Aber die Konfliktkonstellation, wegen der sich diese Liebe nicht realisieren kann, hat mit den Lebensbedingungen und den politischen Bedingungen zu tun. Es gibt keine Liebe im luftleeren Raum. Wir sind ja nicht auf dem Mond, wir leben auf der Erde, und wenn wir auf dieser Erde leben, kommen die Anlässe der Konflikte von hier.

Vielen Dank für das Gespräch.