
DAS MAGAZIN IM PDF
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Erfolgsmodell Ausbildung - MCS Thüringen bildet aus und zieht positives Fazit
Interview mit Ingelore König Geschäftsführerin der Kinderfilm GmbH
Die media city leipzig feiert - Jubiläum für Medienstandort
Der 250.000ste Besucher zur MDR-Studiotour erwartet
Media Mobil überträgt Fecht-EM
Heißer Tanz in Shanghai - Fernsehballett beim German Ball
15.000 beim Start der MDR-Sommertour 2010
Kartenvorverkauf für Sportfreunde Stiller angelaufen
"Schloss Einstein" in den Ferien
Drehstart für 2. Staffel “dasbloghaus.tv”
Musik für Sie - Sommerspecial von der Mecklenburger Seenplatte
„Tanz aus der Reihe“ - Neue Ausstellung in der mcl
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Kinderfilm GmbH (Steckbrief)
KINDERFILM GMBH
Das dritte Auge
Interview mit Ingelore König, Geschäftsführerin der Kinderfilm GmbH
Seit zehn Jahren dreht Kinderfilm aus Erfurt bundesweit ausgezeichnete Produktionen. Neben der Film-Lola und dem Robert-Geisendörfer-Preis stehen Auszeichnungen von Festivals aus aller Welt in der Vitrine von Kinderfilm-Chefin Ingelore König. Und sie hat noch vieles vor. Ein Jubiläumsinterview.
Sie haben in den zehn Jahren mit Kinderfilm das Wachsen eines Medienstandortes miterlebt. Wie war das, als Sie angefangen haben?
Am Anfang habe ich schon etwas ratlos auf die Strukturen geschaut und mich nach den ersten Wochen gefragt: Worauf hast du dich hier um Himmelswillen eingelassen. „Lost in Thüringen“ - so jedenfalls kam ich mir vor. Nichts als mediales Brachland, zumindest was Film betraf. Es gab natürlich Profis für jedwede Form vom Reportagen und Dokumentationen, aber ein hervorragender Reportage-Kameramann ist nicht unbedingt ein großartiger Bildgestalter für den klassischen Spielfilm. Und da es so gut wie keine Infrastruktur für Filmproduktion und kein ausgebildetes Personal gab, haben wir die ersten Filme mit produktionserfahrenen Leuten aus München und Babelsberg gedreht.
Das konnte so natürlich nicht weitergehen. Also haben wir systematisch selbst Nachwuchs gefördert. Und so sind mit uns von Produktion zu Produktion Profis für die verschiedenen Gewerke herangewachsen. Inzwischen haben wir hier exzellente Kulissenbauer, hervorragende Continuity, Szenenbild-Assistenten und Außenrequisite, Cutter usw. Dafür gibt es nun sogar Probleme, die hiesigen Experten zu bekommen, weil sie in München und Berlin, in Hessen und sonstwo in der Welt gebucht werden.
Sie haben in den letzten zehn Jahren viele Filme produziert, viele Preise bekommen. Was waren aus Ihrer Sicht die Höhepunkte?
Der Höhepunkt war ganz sicher die Lola, der Deutsche Filmpreis, für „Die Blindgänger“. Ich saß bei der Verleihung mit dem Regisseur neben dem Team von „Die wilden Kerle“. Wir waren schon sehr stolz auf die Nominierung. Den ersten Teil der „Wilden Kerle“ fand ich richtig Klasse und war überzeugt davon, dass den Kollegen der Sieg gebührt. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, bis mir klar geworden ist, dass da vorn auf der Bühne gerade unser Film als Preisträger verkündet wurde und wir die Lola mit nach Erfurt nehmen durften.
Phantastisch war für mich auch die Rohschnittabnahme von „Wer küsst schon einen Leguan?“ Plötzlich hieß es, „Super-Film, der muss im Ersten in der Primetime laufen“. Dabei hatte ich doch einen Kinderfilm produziert. Das waren unglaubliche Augenblicke.
Und natürlich war es großartig, mit „Stella und der Stern des Orients“ zum größten amerikanischen Kinderfilm-Festival nach Chicago eingeladen zu werden. Dort haben wir dann auch noch zwei Preise bekommen. Das sind wunderbare Glücksmomente, die alle Schwierigkeiten vergessen machen, die Filmproduktionen so manchmal mit sich bringen. Und gerade Stella war eines unser schwierigsten und abenteuerlichsten Projekte.
Kinder sind ein vielfältiges Publikum. Von den ganz Kleinen bis zu den Teenagern. Wie passt das unter einen Hut?
Das Kinderpublikum ist außerordentlich heterogen und die verschiedenen Altersstufen schon von Natur aus sehr unterschiedlich. Zwischen 5- und 10-Jährigen liegen Welten! Eigentlich kann man nur bei den bis zu Zehnjährigen von einem echten Kinderfilm sprechen. Die Älteren orientieren sich längst an den Ansprüchen von Jugendlichen. Die Themen aber sind irgendwie doch immer dieselben, bis zum Erwachsenenfilm übrigens. Es dreht sich alles um Liebe oder Freundschaft, um Angst und Mut, um das Leben als Abenteuer und Wunder... Die Sujets werden einfach anders ausgearbeitet, auf andere Art und Weise erzählt. Deshalb müssen wir ja zuvorderst immer entscheiden, für wen wir die Geschichte schreiben. Eine Binsenweisheit, die ich manchmal auch gern vergessen möchte ...
Bei Kinderfilmen kann man unbedarfter sein, offener. Erwachsene haben so viele Vorurteile und manchmal so wenig Phantasie. Ein Regisseur hat mal gesagt, „Kinder haben das dritte Auge“. Und ich versuche immer, mir dieses dritte Auge zu bewahren. Dabei schaue ich, wie ich selbst gerne als Kind wäre und versuche immer wieder zu erkunden, wie Kinder sich hier und heute verhalten. Am meisten fasziniert mich, dass Kinder von Natur aus keine Angst vor Grenzen haben und diese immer überschreiten wollen.
Wenn man zehn Jahre lang das dritte Auge bewahrt, hilft dabei die Routine?
Routine hilft nicht. Kindheit ist heute so schnelllebig geworden. Viele Dinge verändern sich. Häufig sind es vor allem Äußerlichkeiten, also Dinge, die man eher oberflächlich und visuell wahrnimmt. Damit arbeiten wir natürlich auch beim Film. Aber die wirklichen Geschichten bleiben gleich, davon bin ich überzeugt.
Bei Ihren Märchen-Produktionen erzählen Sie konventionell. Das hat etwas sehr Beruhigendes. Ist das der Gegenpol zur Schnelllebigkeit?
Bei den Märchen gibt es eine klare Ansage des Auftraggebers. Die Idee ist, die Märchen neu zu erzählen und trotzdem klassisch. Ich finde, dass das ein kluger Ansatz ist. Und der Erfolg beim Zuschauer bestätigt das Jahr für Jahr. Sowohl unser "Hänsel und Gretel" fürs ZDF als unser "König Drosselbart" für die ARD haben beste Einschaltquoten erzielt. Ich brauche kein Schneewittchen, das mit dem Handy telefoniert.
Im Übrigen: Als Produzentin ist es meine Aufgabe, das beste Produkt im Sinne des Auftrags zu produzieren. Mit unserem eigenen Anspruch an Kreativität und Qualität. Deswegen sieht „Blöde Mütze“ eben auch ganz anders aus als die Märchen.
Als Geschäftsführerin und verantwortliche Produzentin müssen Sie immer auch aufs Geld schauen. Schränkt das die Kreativität ein?
Das ist eine Frage des Trainings. Ich habe immer das Geld besorgt für die Projekte, schon an der Filmhochschule. Auch bei den Sachbüchern, die ich herausgegeben habe, wollte ich, dass die gut aussehen und habe die notwendigen Mittel dafür organisiert. Ich behaupte gern, „Geld interessiert uns zwar nicht wirklich, es ist nur gut, welches zu haben“. Und ich würde gern einen Maserati produzieren, aber manchmal reicht es leider nur für einen Skoda. Dann gilt, „gut, aber bitte wenigsten den schönsten Skoda“. Aus den Mitteln, die ich habe, muss ich das Beste machen.
Kinderfilm kommt jetzt selbst ins Teenager-Alter. Was planen Sie für die nächsten Jahre?
Das große Ziel ist immer noch der Sprung ins Family-Entertainment im Kino, die Platzierung eines echten Blockbusters. Nicht 50.000 oder 70.000 Zuschauer, sondern mal eine Million. Das wär's. Wir arbeiten hart dran, vor allem an den Drehbüchern.
Und eines meiner derzeit größten Vorhaben ist ein Spielfilm über Paula Modersohn-Becker. Die Malerin wird gern als Vorläuferin des deutschen Expressionismus bezeichnet. Aber vor allem war sie eine der radikalsten Frauenpersönlichkeiten, sie wollte bis zu ihrem 30. Geburtstag erfolgreiche Künstlerin und Mutter sein. Ungewöhnliche Ansprüche für eine Frau des beginnenden 20. Jahrhunderts. Und sehr moderne Ansprüche, an denen wir Frauen und unsere Beziehungen auch im beginnenden 21. Jahrhundert noch allzu oft scheitern. Ein hochdramatischer Stoff, der von einer unbedingten Suche nach Erfüllung und Glück in der Profession und im Privaten erzählt.
Ansonsten wollen wir das weiterführen, was wir bisher aufgebaut haben. Ich denke da zum Beispiel an die Reihe KRIMI.DE. Mit dem KI.KA haben wir es geschafft, exzellente Filme zu produzieren. Dort sitzen mutige Redakteure, die die wirklich aktuellen Themen angehen und uns kreativ im höchsten Maße fordern. Eine herausragende Zusammenarbeit, über die ich genauso glücklich bin wie über die märchenhafte Zusammenarbeit mit dem HR.


