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Interview mit Marc Bogaerts
neuer Chefchoreograf beim Fernsehballett
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MDR Deutsches Fernsehballett GmbH (Steckbrief)
MDR DEUTSCHES FERNSEHBALLETT
Der neugierige Weltbürger
Interview mit dem neuen Chefchoreografen des Fernsehballetts des MDR, Marc Bogaerts
Seit Anfang Mai ist Marc Bogaerts neuer künstlerischer Leiter des Fernsehballetts des MDR. Der Belgier, der in Berlin wohnt, hat schon an vielen großen Häusern in aller Welt gearbeitet. Im Interview spricht er über seine Erfahrungen und das Besondere am Fernsehballett.
Sie haben als Künstler in aller Welt gearbeitet. Was waren die prägendsten Stationen?
Als Künstler sagt man, dass die prägendste Arbeit die künftige sein muss. Aber wenn ich meine Vergangenheit anschaue, dann sieht das so aus: Ich habe ein Studium in Latein und Griechisch gemacht. Ich war Boxer. Und dann hat mich meine Freundin verlassen, da bin ich Tänzer geworden. Das ist meine Geschichte. Dann habe ich für eine Menge Crews und Companies selbst getanzt, habe die gesamte klassische Ausbildung in Belgien durchlaufen. Später bin ich nach New York gegangen und 1984 habe ich schließlich die Mauer genommen und kam nach Ostberlin.
Von New York nach Ostberlin, das war sicher ein Kulturschock …
Nein, nicht in der Kulturwelt. In der Artistik sagt man, ein Handstand hat keine Partei. Natürlich habe ich die negative Seite des Ostens auch mitbekommen, aber die Kultur war immer das Wichtigste.
Sie haben als Choreograf und Regisseur an großen Häusern gearbeitet, aber auch ganz kleine Projekte gemacht. Was reizt Sie mehr?
Es gibt nur eine Frage: Ist man neugierig, Ja oder Nein. Wenn Sie mir eine Fernbedienung geben, zappe ich mich durch das ganze Fernsehprogramm. Für welche Companie ich auch gearbeitet habe, es ist immer aus Neugier gewesen. Deswegen bin ich auch hier beim Fernsehballett. Das ist für mich etwas ganz Neues.
Was ist denn der Unterschied zwischen dem Fernsehballett des MDR und einem anderen Ensemble?
Das Fernsehballett des MDR ist eine Mediencompanie. Die Kamera ist hier das Publikum. Tanzen für die Kamera ist eine eigene Kunst. Es gibt kein Feedback und das geht eigentlich gegen die Essenz des Künstlers. Zum Glück sind die Tänzerinnen und Tänzer sehr erfahren im Umgang mit Medien. Und das ist wichtig. Denn was es heute in den Medien nicht gibt, das gibt es nicht.
Ich hatte die Freude, Sie bei einer Audition des Fernsehballetts des MDR schon einmal bei der Arbeit zu sehen. Sie haben großen Wert auf Improvisation gelegt. Ist das Ihr Stil?
Nein. Das ist nur eines der vielen Mittel. Bei der Audition ging es um die Provokation. Wer als Künstler mit Provokation umgehen kann, kann auch alles andere. Aber ich provoziere nicht ohne Grund.
Wohin wollen Sie das Fernsehballett des MDR als künstlerischer Leiter entwickeln?
Die erste Frage ist: Was ist heute Entertainment oder besser The Art Of Entertainment? Wenn wir uns entwickeln wollen, müssen wir anderen Welten begegnen, ohne die Tradition aus dem Blick zu verlieren. Wir suchen Verbindungen in die Welt der Artistik, die Welt des Sports, die Welt der Jugendarbeit ... Wir haben zum Beispiel ein Projekt mit dem Kugelstoßer Udo Beier gestartet. Er war hier und berichtete zwei Tänzerinnen von seinem Sport und nun entwickeln wir eine künstlerische Arbeit für ein Event. Das ist sehr spannend. Hier begegnen sich Menschen, die sich sonst nie begegnen. Da entsteht eine Symbiose, das reizt mich.
Als Sie bei der Audition mit den jungen Tänzer gearbeitet haben, waren die erst skeptisch, verloren dann aber die Vorbehalte. Welche Rolle spielt Spaß bei der Arbeit?
Das ist alles. Entertainment ist nicht lustig sondern ernst. Und Arbeit ist Spaß. Es ist falsch zu glauben: Wer in der Probe lacht, arbeitet nicht ernsthaft. Wer Spaß hat, geht einen Schritt weiter. In jedem Beruf.

